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10. Januar 2014

Wer schön sein will, muss aufpassen

Permanent-Make-up vergleichbar mit medizinischem Eingriff – Immer vorab informieren

Schönheit liegt im Auge des Betrachters. Bei Sandy K. ist das wörtlich zu nehmen: Sie wollte dauerhaft perfekt geschminkte Augen und entschied sich für ein Permanent-Make-up. Ein günstiges Internetangebot lockte die 36-Jährige. Doch es gab ein böses Erwachen: Sandy K. wurde vorab nicht beraten oder nach ihren genauen Vorstellungen gefragt. Dann das Ergebnis: Statt eines Oberlidstriches erhielt sie eine Wimpernkranzverdichtung. Und die verantwortliche Kosmetikerin verlangte bei der Nachbehandlung nochmals Geld – entgegen der vorherigen Abmachung. Das ist kein Einzelfall.

Johanna Gold, fachkosmetische Leiterin im Schönheitszentrum Edeltraud Stolze, hat auch schon von solchen Fällen gehört. Manchmal kämen Frauen zu ihr, die solche Malheurs korrigiert haben möchten. „Das ist sehr schwierig, aufwendig und teuer", erklärt Johanna Gold. Vorsicht ist also besser, als das Nachsehen zu haben.

 

„Ein Vorgespräch muss sein", betont die Kosmetikerin. Dafür werde in der Regel eine halbe Stunde eingeplant. Dabei sollten nicht nur mögliche Allergien und Krankheiten abgeklärt, sondern auch die Wünsche der Kundin besprochen werden. „Wenn eine Blondine schwarze Augenbrauen will, dann mache ich das nicht", nennt Johanna Gold ein Beispiel. Dafür seien Kosmetikerinnen und Visagistinnen auch da – zur Typberatung.

 

„Außerdem muss ich vorab darauf aufmerksam machen, dass Schwellungen entstehen können in den ersten Tagen nach der Behandlung", erklärt die Kosmetikerin. Permanent-Make-up, das sei „ein Eingriff in den Körper" und nichts, „was man schnell mal macht", betont Johanna Gold. 47 eingetragene Kosmetikbetriebe zählte die Handwerkskammer Mitte 2013 in der Stadt Straubing. Sie haben keinen schlechten Ruf, „aber es gibt leider schon noch schwarze Schafe", sagt Johanna Gold. „Doch wir sind auf einem guten Weg", spricht sie für die Branche. Kosmetikerin sei erst seit 2006 ein Lehrberuf mit dreijähriger Ausbildungsdauer. Trotzdem gebe es auch Kosmetikerinnen, „die nur zwei Wochen auf einer privaten Schule waren".

 

Es gibt keinen Meisterzwang

 

Der Beruf zähle zum handwerksähnlichen Gewerbe, wie Klaus Neubauer von der Handwerkskammer erklärt. Diese Gewerbegruppe, zu der auch Stoffmaler, Maskenbildner oder Theaterkostümnäher gehören, unterliege keinem Meisterzwang wie Bäcker oder Metzger. Außerdem brauche man keine bestimmten Nachweise, um das Gewerbe anzumelden, erklärt Neubauer. Das bestätigt Ulrike Blendl vom Gewerbeamt. Da können sich unbemerkt schwarze Schafe unter die vielen seriösen Anbieter mischen. Ulrike Blendl rät Kunden, die sich nicht gut behandelt fühlen, sich an das Gesundheitsamt zu wenden.

 

Verbraucherzentrale hilft bei rechtlichen Fragen

 

Auch der Verbraucherschutz könne hier weiterhelfen und über Ansprechpartner bei rechtlichen Fragen informieren, erklärt Tatjana Halm von der Verbraucherzentrale in München. „Gelegentlich" sind auch ihr schon solche Beschwerdefälle untergekommen. Sie erklärt, dass auf mögliche allergische Reaktionen, Unverträglichkeiten, Risiken und Gefahren vorab hingewiesen werden müsse. Dazu unterschrieb auch Sandy K. eine Art Informationsblatt, eine Einwilligungserklärung. „Wenn der Strich danach nicht so aussieht, wie man ihn sich vorgestellt hat, könnte man eine Minderung verlangen", sagt Tatjana Halm. Dabei gelte es immer, den Einzelfall zu betrachten. Beratungsvorschriften gebe es keine. Besser ist es, sich vorab Zeit zu lassen, ehe man sich für eine derartige Behandlung entscheidet, deren Ergebnis jahrelang zu sehen ist. Außerdem rät Johanna Gold: „Gezielt nach einem Ausbildungszeugnis fragen oder sich Fotos von den Arbeiten des Studios zeigen lassen." „Der erste Eindruck zählt", findet sie. Frauen sollten auch auf Freundinnen hören, die Erfahrungen mit diesem oder jenem Studio gemacht haben. „Und wenn ich gleich einen Termin bekomme, das kann auch nicht sein", sagt Johanna Gold. Denn Permanent-Make-up bedarf einiger Vorbereitung – auch im Kosmetikstudio. „Bei Permanent-Make-up ist Spontaneität nicht angebracht", bringt es die fachkosmetische Leiterin des Schönheitszentrums auf den Punkt.

 

Auch der Preis spielt eine Rolle. „Das Teuerste muss nicht immer das Beste sein", macht Johanna Gold deutlich, aber „Permanent-Make-up hat seinen Preis". „Das Angebot, das auf Facebook eingestellt wurde, erschien mir günstig, aber fair", sagt Sandy K. 80 Euro verlangte man von ihr für die Behandlung. „Dann kann die Kosmetikerin keine guten Farben und Geräte haben", mutmaßt Johanna Gold.

 

Bei ihr werde das gewünschte Make-up erst angezeichnet – für 50 Euro. „Der Kunde soll es sich dann in Ruhe daheim im Spiegel anschauen, bevor die Farbe mit der Nadel eingebracht wird", erklärt Johanna Gold. Dass vorab keine Beratung erfolgt und für die Nachbehandlung weitere Kosten anfallen, ist keinesfalls die gängige Praxis, wie der Vergleich mit anderen Kosmetikstudios zeigt. „Eventuelle Nachbehandlungen sind im Preis inbegriffen, das mache ich vorher mit den Kunden aus", bestätigt Johanna Gold.